Jeanne d`Arc oder Martha Stewart?


Sie ist Mitte 30, scheinbar problemlos alleinerziehende Mutter, verdient als Anwältin top, ist stets wie aus dem Ei gepellt, datet meist gutaussehende und gebildete Männer und wohnt im ersten Bezirk in Wien. Man hat den Eindruck, diese Frau hat einiges richtig gemacht.

Sie erzählt in der Öffentlichkeit sie wäre Ende 20, sieht ihr Kind unter der Woche aufgrund der Arbeit und des Partymachens nie, gibt es wochenends und in den Ferien zum Vater, ihr Schönheitsgeheimnis kann nur Dagmar Milesi lüften (nicht Evian und Genforscher), sie hat einen One-Night-Stand nach dem anderen, ohne einen Mann dauerhaft an sich binden zu können (es soll ja auch nicht irgendjemand sein, sondern einer, der viel zu bieten hat, und einen gleich in eine höhere gesellschaftliche Position schieben kann), und sie lebt mit Freunden in einer WG, um sich die Miete leisten zu können- wusch, so schnell kann man aufwachen!

Sie ist nicht alleine: man braucht eigentlich nur einen kurzen Blick in Wiener Szenelokale wie das Take5 zu werfen, und man wird feststellen, dass sich viele schöne und/oder intelligente Frauen, von denen man Emanzipation im Stile einer Jeanne d`Arc erwarten würde, plötzlich in schmusige, schnurrende Martha Stewarts verwandeln, die sich bei älteren Herren mit Zigärrchen im Mundwinkel anbiedern. Und das alles warum? Weil sie nach außen so viel mehr leben, als sie sind; weil sie das, was sie anderen als ihr Leben präsentieren, gekonnt ausgeschmückt haben, sodass Realitätsverzerrung wahrlich nur mehr einem Hilfsbegriff gleicht.

Dabei haben sie es nicht nötig! 

Ich hatte heute einen Streit mit einer jungen Frau, einer bildhübschen schweizer Bankerin, die wiederum ins andere Extrem verfiel, und trotzig-rebellisch gegen alle Frauen wetterte, die sich auch nur auf einen Drink vom Mann einladen lassen. Emanzipation nach Schwarzer.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, den Mittelweg zu finden- die Schwierigkeit ist bloß die, Frauen wie meine Bekannte, die Anwältin, davon zu überzeugen, das Glitzerkrönchen das ihnen auf`s Hirn drückt abzunehmen. 

Besinnung auf andere Werte, Ladies!

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Published in: on August 9, 2009 at 4:58 pm  Comments (2)  
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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Decadamn!
    Ich mag deine Art zu schreiben, sehr amüsant 🙂
    Diese Geschichte kennt Lily scheinbar auch schon gut http://www.youtube.com/watch?v=tWjNFC-FinU
    Allerdings glaub ich dass Schwarzer in der Praxis bei weitem nicht so rigoros ist wie deine schweizer Bankerin..
    Ich frag mich allerdings, ob genannte hübsche und/oder intelligenten Frauen bei diesem Bild, dass sie erschaffen, je auch nur einen Gedanken an das Wort Emanzipation verschwendet haben?

    lg von einer bereits treuen leserin 😉

    • Liebe Stefunny,

      zunächst danke für die lieben, motivierenden Worte, dann danke für den Link- Lily Allen at her best 🙂 Oh ja, ich kenne einige Frauen, die oftmals an der Kreuzung im Leben angelangen, wo es Hirn oder Prestige heißt- und aus falschen Motiven wählen viele von ihnen zweiteres. Es ist aber auch wirklich verlockend, manchmal auf Angebote einzugehen, die Spannung und Spaß ohne viel Zutun versprechen.. Tausche Emanzipation gegen Villa mit Pool.. oder so.. 😉

      Liebe Grüße zurück


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