In Zeiten der wirtschaftlichen Krise muss man eben Prioritäten setzen..


Eine Zeit lang habe ich in Wien mit bestimmten Leuten verkehrt, deren Lebensinhalt sich auf das wochenendliche Zurschaustellen ihrer gesellschaftlichen Position beschränkte: einige von ihnen lebten und studierten ganz gut und entspannt, wie man es nur kann, wenn einen eine monatliche Finanzspritze der Eltern piekst, die weit jenseits der 1000 Euro liegt; bei anderen wiederum war schwer oder gar nicht ersichtlich, woher die Geldströme flossen, die es ihnen erlaubten, Woche für Woche mit einem Lärm in die Clubs zu krachen, der Lindsay Lohan partymäßig in den Schatten stellen würde.

Ich fand mich zu dieser Zeit einfach unheimlich cool, im Kreise dieser Clique lässig an den besten Tischen, die teuersten Flaschen des Clubs zu vernichten, das kann man schwerlich abstreiten. Öfters fragte ich mich, ob ich denn die einzige aus der Runde sei, die Ebbe in der Haushaltskasse erspähte, in Anbetracht der Party- und Outfitkosten jedes Wochenende.

Doch dass öfters Schein das Sein dominiert zeigte mir eine Sache: eine Bekannte aus der Runde (aus gutem Hause, wenn man gut mit wohlhabend gleichsetzen mag), die immer mühelos Geld für Chaneltäschchen und 500-Euro-Partykleidchen (wohlgemerkt: meistens einmal getragen) aufbringen konnte, und sich auch ansonsten scheinbar keinen Luxus abgehen ließ, konnte eines Tages plötzlich nicht mal mehr die 2,50 Euro für einen Kaffee bei der Uni berappen  und musste sich drei Wochen lang von einem Sack Kartoffeln ernähren, da sie ihr gesamtes elterliches Monatsgeld in drei Designerfummeln angelegt hatte.

Da auch ich manchmal dazu neige, die Karte in den Geschäften glühen zu lassen, dass sie in meinen Händen fast verbrennt, bin ich als Moralapostel die falsche Ansprechperson. Aber DAS finde sogar ich lächerlich..

Auch interessant: ein Bekannter, der um „dazuzugehören“ unter der Woche jeden Cent zweimal umdreht, nur um am Wochenende seinen sogenannten Freunden unter Beweis stellen zu können, was für ein prima Moet-Tiger er doch sei. Das führte einmal sogar dazu, dass er in einem österreichischen Nobel-Ferienort nach einer besonders ausgelassenen Feier nicht mal mehr die 40 EUro für sein Zugticket nach Hause auftreiben konnte 🙂

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Published in: on August 7, 2009 at 4:22 pm  Schreibe einen Kommentar  

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